Home

Was fürs herz
Wir über uns Unsere Ziele Gruppen Lebensstil Aktuell Links Was fürs herz

 

Hans Magnus Enzensberger
Innenleben
 
Es schmilzt uns es blutet es lacht uns im Leibe
Wir tragen es auf der Zunge
Wir schütten es aus
Wir machen ihm Luft
Wir grüßen von ihm
Wir essen es in Aspik
 
Es ist steinern es ist weich
golden hart brennend gespickt
halb leicht tief gut oder schwer
gebraten gebrochen erweitert verfettet
 
Wir bringen etwas darüber und tragen etwas darunter
Wir legen die Hand drauf
Wir schließen etwas darin ein
Wir drücken etwas daran
Wir nehmen uns etwas dazu
Wir haben etwas drauf
Wir hängen es an etwas hin
 
Es hat Klappen Blätter und Damen
Es hat Fehler Schläge Gründe Beutel und Gruben
Anfälle Kammern und Lüste
 
Wir lassen uns etwas daran wachsen
und etwas darin schneiden
und etwas daran greifen
 
Ein Stein fällt uns davon herunter
Wir machen eine Mördergrube daraus
Wir haben es auf dem rechten Fleck
 
 
 
"Adieu", sagte der Fuchs. "Hier mein Geheimnis".
Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar
(Antonio de Saint-Exupery)
 
 

Manchmal ist es nur ein Augenblick, ein kurzer Augenblick für den wir die wahre Liebe erfahren dürfen. Wer es schafft mehr davon zu bekommen muß unendlich glücklich sein.
Rose

 

An das Herz

Lange schon in manchem Sturm’ und Drange
Wandeln meine Füße durch die Welt.
Bald den Lebensmüden beigesellt,
Ruh ich aus von meinem Pilgergange.

Leise sinkend faltet sich die Wange;
Jede meiner Blüten welkt und fällt.
Herz, ich muß dich fragen: Was erhält
Dich in Kraft und Fülle noch so lange?

Trotz der Zeit Despoten-Allgewalt,
Fährst du fort, wie in des Lenzes Tagen,
Liebend wie die Nachtigall zu schlagen.

Aber ach! Aurora hört es kalt,
Was ihr Tithons Lippen Holdes sagen. -
Herz, ich wollte, du auch würdest alt!

Gottfried August Bürger

Gottfried August Bürger

An das Herz

Willst du nicht dich schliessen,
Herz, du offnes Haus!
Worin Freund’ und Feinde
Gehen ein und aus?

Schau, wie sie verletzen
Dir das Hausrecht stets!
Fühllos auf und nieder,
Polternd, lärmend geht’s.

Keiner putzt die Schuhe,
Keiner sieht sich um,
Staubig brechen alle
Dir ins Heiligtum;

Trinken aus den goldnen
Kelchen des Altars,
Schänden Müh’ und Segen
Dir des ganzen Jahrs;

Werfen die Penaten
Wild vom
Herde dir,
Pflanzen drauf mit Prahlen
Ihr entfärbt Panier.

Und wenn zu verwüsten
Nichts sie finden mehr,
Lassen sie im Scheiden
Dich, mein Herz, so leer!

Nein! Und wenn nun alles
Still und tot in dir,
O, noch halt dich offen,
Offen für und für!

Lass die
Sonne scheinen
Heiss in dich herein,
Stürme dich durchfahren
Und den Wetterschein!

Wenn durch deine Kammern
So die Windsbraut zieht
Lass dein Glöcklein stürmen,
Schallen
Lied um Lied!

Denn noch kann’s geschehen,
Dass auf irrer Flucht
Eine treue Seele
Bei dir Obdach sucht!

 Keller, Gottfried

Gottfried Keller

 

Herz freu dich

Herz freu dich, du sollst werden
Vom Elend dieser Erden
Und von der Sünden Arbeit frei.

Nun geht, ihr matten Glieder,
Geht hin und legt euch nieder,
Der Betten ihr begehrt:
Es kommen Sund und Zeiten,
Da man euch wird bereiten
Zur Ruh ein Bettlein in der Erd.

Paul Gerhardt

 
 

 

 

 

 

 

 

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: wagner.d@freenet.de 
Stand: 23. Juli 2009